BEITRAG VON René Gräber –
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
ich schreibe ja für die Epoch Times, eine Wochenzeitung die auch im Internet einen Online Bereich hat.
In einer der letzten Kolumne hatte ich über ein bemerkenswertes Ergebnis berichtet. Ein neuer Wirkstoff namens Pelacarsen kann einen Blutwert drastisch senken, der in der Kardiologie derzeit große Aufmerksamkeit bekommt: Lipoprotein(a), kurz Lp(a). Ich hatte in der letzten Online Sprechstunde ja zu den Blutwerten gesprochen (wer es gesehen hat)…
Das Problem zu dem neuen Medikament: in der großen Lp(a)HORIZON-Studie mit mehr als 8.000 Patienten sank zwar das Lipoprotein(a), aber die Patienten bekamen dadurch nicht signifikant seltener Herzinfarkte oder Schlaganfälle.
Auch der kombinierte Endpunkt aus Herz-Kreislauf-Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall und dringlichen Eingriffen an den Herzkranzgefäßen wurde nicht erreicht. Das teilte Novartis am 4. September 2026 mit. Die vollständigen Studiendaten stehen noch aus.
Studie bzw. Mitteilung dazu:
https://www.novartis.com/news/media-releases/novartis-announces-lpahorizon-phase-iii-topline-results-pelacarsen-patients-elevated-lpa-and-established-cardiovascular-disease-cvd
Die Studie im Studienregister:
https://clinicaltrials.gov/study/NCT04023552
In einer Zeitungskolumne kann ich an dieser Stelle sagen: Interessant. Wieder einmal zeigt sich, dass ein schönerer Laborwert nicht automatisch einen gesünderen Patienten bedeutet.
Hier im Newsletter können wir aber einige Schritte weitergehen.
Denn die eigentlich interessante Frage lautet für mich:
Was mache ich mit einem Patienten, der einen erhöhten Lp(a)-Wert hat? Oder bei dem vielleicht sogar schon erste Gefäßablagerungen entdeckt worden sind?
Da reicht mir die Empfehlung „LDL weiter senken und abwarten“ bei Weitem nicht.Lp(a): einmal messen – und dann richtig damit umgehen
Zunächst: Ich halte Lipoprotein(a) nicht für einen bedeutungslosen Laborwert. Im Gegenteil.
Lp(a) ist überwiegend genetisch bestimmt. Ernährung, Sport, Gewichtsabnahme oder Fasten können diesen Wert meistens nur wenig beeinflussen. Deshalb reicht bei den meisten Menschen eine einmalige Bestimmung im Erwachsenenalter. Genau das empfiehlt inzwischen auch die neue amerikanische Lipid-Leitlinie von 2026. Werte ab etwa 125 nmol/l beziehungsweise 50 mg/dl gelten dort als zusätzlicher Risikofaktor. Bei etwa 250 nmol/l beziehungsweise 100 mg/dl wird von ungefähr einer Verdoppelung des langfristigen kardiovaskulären Risikos gesprochen.
Eine kleine, aber wichtige Besonderheit: Lp(a) wird teilweise in mg/dl und teilweise in nmol/l angegeben. Bitte rechnen Sie diese Werte nicht einfach mit irgendeinem Faktor aus dem Internet ineinander um. Aufgrund unterschiedlicher Apo(a)-Isoformen gibt es keinen für jeden Menschen zuverlässigen Umrechnungsfaktor.
Ein hoher Wert ist für mich also ein Warnlämpchen.
Aber wenn bei meinem Auto ein Warnlämpchen angeht, tausche ich auch nicht zuerst die Glühbirne aus.
Ich schaue nach, was mit dem Auto los ist. Also schauen wir uns die Gefäße an
Hier liegt für mich einer der größten Unterschiede zwischen reiner Laborwertmedizin und einer vernünftigen Prävention.
Die Arteriosklerose sitzt nämlich nicht auf dem Laborzettel, sie sitzt in der Gefäßwand.
Gerade wurde dazu eine bemerkenswerte Untersuchung im New England Journal of Medicine veröffentlicht. Bei 16.808 Erwachsenen zwischen 18 und 70 Jahren ohne bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung untersuchten die Forscher mit dreidimensionalem Ultraschall die Hals- und Beinarterien und zusätzlich mittels CT die Herzkranzgefäße.
Das Ergebnis: Bei 57,1 Prozent fanden sich bereits arteriosklerotische Veränderungen.
Mehr als jeder Zweite!
Selbst bei den 18- bis 29-Jährigen fanden die Forscher bereits bei 8,7 Prozent der Männer und 6,7 Prozent der Frauen Gefäßveränderungen. Siehe:
https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2609059
Das ist einer der Gründe, weshalb ich bei entsprechendem Risikoprofil gern wissen möchte, wie die Gefäße tatsächlich aussehen.
Ein guter Ultraschall der Halsschlagadern kann dabei sehr aufschlussreich sein. Interessant ist für mich nicht erst die 70-prozentige Stenose, bei der bereits über eine Operation diskutiert wird. Ich möchte viel früher wissen, ob Plaques vorhanden sind und wie sich die Gefäßwand darstellt.
Je nach Ausgangssituation kann zusätzlich ein Calcium-Score der Herzkranzgefäße sinnvoll sein. Auch die 2026er Leitlinie wertet den sogenannten CAC-Score inzwischen deutlich auf, insbesondere wenn das tatsächliche Herz-Kreislauf-Risiko nicht klar einzuschätzen ist. Das CT erfolgt dabei ohne Kontrastmittel und zeigt, ob bereits verkalkte Plaques in den Herzkranzgefäßen vorhanden sind.
Ich empfehle natürlich nicht jedem Gesunden, sich nun regelmäßig in einen CT zu legen. Diagnostik muss eine Konsequenz haben. Aber bei erhöhtem Lp(a), auffälliger Familiengeschichte, Diabetes, stark erhöhtem Blutdruck oder mehreren Risikofaktoren kann eine solche Information die Situation erheblich klarer machen.
Was ich im Labor tatsächlich wissen möchte
Wenn jemand mit der Frage „Wie hoch ist mein Herzinfarktrisiko?“ zu mir kommt, ist ein einzelner Cholesterinwert für mich ungefähr so befriedigend wie eine Wettervorhersage, die nur aus der Außentemperatur besteht.
Ich möchte ein Gesamtbild.
Dazu gehören (je nach Patient und Vorgeschichte) unter anderem:
- Lipoprotein(a), wenigstens einmal im Leben
- Gesamtcholesterin, LDL, HDL und vor allem Triglyceride
- non-HDL-Cholesterin und bei entsprechender Fragestellung ApoB
- Nüchternglukose und HbA1c
- bei Verdacht auf Insulinresistenz zusätzlich Nüchterninsulin beziehungsweise HOMA-IR
- hsCRP als möglicher Hinweis auf chronische Entzündungsaktivität
- Homocystein sowie bei Auffälligkeiten Vitamin B12, Folat und gegebenenfalls Vitamin B6
- Nierenwerte, Schilddrüse und je nach Situation weitere Stoffwechselparameter
ApoB finde ich besonders interessant, wenn LDL und Stoffwechselsituation nicht recht zusammenpassen. ApoB bildet vereinfacht gesagt die Zahl der atherogenen Lipoproteinpartikel besser ab als der reine Cholesteringehalt dieser Partikel. Auch die aktuelle Leitlinie hebt ApoB insbesondere bei Diabetes, erhöhten Triglyceriden und anderen Stoffwechselproblemen hervor.
Und dann kommt ein Wert, der überhaupt nicht im Labor bestimmt wird und trotzdem außerordentlich wichtig ist: der Blutdruck.
Nicht nur einmalig schnell beim Arzt gemessen… Ich möchte wissen, wie der Blutdruck morgens nach dem Aufstehen aussieht. Abends. In Ruhe. Über mehrere Tage hinweg. Wenn Zweifel bestehen, halte ich eine 24-Stunden-Messung für sehr viel aussagekräftiger als irgendeinen Einzelwert.
Meine eigene Geschichte mit den Gefäßen
Ich bin bei diesem Thema übrigens nicht nur Therapeut, sondern ich war selbst betroffen.
Mit ungefähr 40 Jahren zeigten sich bei mir bereits Veränderungen an den Gefäßen. Das fand ich damals alles andere als lustig. Ich wollte deshalb nicht nur hoffen, dass das schon irgendwie gutgehen würde, sondern wissen, was passiert.
Also ließ ich meine Halsschlagadern und meine Aorta immer wieder sonografisch kontrollieren, ungefähr alle sechs Monate.
Und über die folgenden Jahre verbesserten sich die Befunde deutlich.
Das ist selbstverständlich keine randomisierte Doppelblindstudie. Ich kann daraus auch nicht ableiten, welcher einzelne Baustein welchen Anteil daran hatte. Aber genau darum geht es mir: Ich habe nicht einen Laborwert behandelt.
Ich habe das Milieu verändert.
Dazu gehörten Bewegung und Training, eine weitgehend zuckerfreie Ernährung, regelmäßiges Heilfasten, die Kontrolle meiner Risikofaktoren und verschiedene Vitalstoffe beziehungsweise naturheilkundliche Maßnahmen.
Und einige davon verwende ich bis heute.
Der erste Hebel kostet keinen Cent: Zucker und Stoffwechsel
Wenn ich bei Gefäßproblemen etwas konsequent angehe, dann ist es ein gestörter Zuckerstoffwechsel. Damit meine ich nicht nur den manifesten Diabetes.
Jahre vorher können bereits erhöhte Insulinspiegel, Bauchfett, steigende Triglyceride, Fettleber und Bluthochdruck auftreten. Der Nüchternzucker kann währenddessen noch scheinbar „normal“ sein.
Deshalb halte ich gerade die Kombination aus erhöhten Triglyceriden, Bauchumfang und hohen Insulinwerten für wesentlich interessanter als manche Diskussion darüber, ob LDL nun fünf Punkte höher oder niedriger liegt.
Zucker, Süßigkeiten, gezuckerte Getränke, Weißmehl und fortlaufendes Snacken würde ich bei einer solchen Stoffwechsellage drastisch reduzieren.
Das ist übrigens inzwischen keineswegs irgendeine naturheilkundliche Außenseitermeinung. Selbst die aktuelle amerikanische Leitlinie empfiehlt bei erhöhten Triglyceriden ausdrücklich eine Ernährung mit wenig zugesetztem Zucker und raffinierten Kohlenhydraten.Fasten: nicht wegen Lp(a), sondern wegen des Stoffwechsels
Regelmäßiges Heilfasten gehört für mich seit Jahrzehnten zu den stärksten Ordnungstherapien. Dabei interessiert mich überhaupt nicht, ob Lp(a) anschließend zehn Prozent niedriger ist. Im Oktober ist es übrigens wieder soweit… Ich lade Sie wieder rechtzeitig ein.
Bei einem übergewichtigen, insulinresistenten Patienten mit Fettleber, erhöhtem Blutdruck und hohen Triglyceriden kann Fasten auf mehreren Ebenen gleichzeitig ansetzen.
Neuere Metaanalysen randomisierter Studien bestätigen günstige Auswirkungen verschiedener Fastenformen unter anderem auf Körpergewicht und Stoffwechselparameter. Für Insulinresistenz, Nüchternglukose und teilweise Entzündungsmarker zeigen sich ebenfalls positive Effekte, auch wenn die Studien je nach Fastenform und Patientengruppe durchaus unterschiedlich ausfallen.
Ich selbst faste in aller Regel zweimal jährlich.
Übrigens: vor zwei Wochen hat mich Sören Schumann zum Thema Heilfasten interviewt:
https://www.youtube.com/watch?v=9RdI07KpTz0
Eigentlich wollten wir „nur“ über das Heilfasten sprechen, aber wie immer bin ich natürlich auch wieder abgeschweift.
Das Interview wurde auch bereits über 100.000 Mal gesehen… sehr beeindruckend, wie ich finde.
Weiter mit der Arteriosklerose…
Knoblauch: viel interessanter, als viele denken
Eine meiner traditionellen Maßnahmen bei Gefäßproblemen ist seit vielen Jahren die Knoblauch-Zitronen-Kur.
Das Rezept habe ich bereits vor langer Zeit in meinem Buch zur Herzgesundheit beschrieben.
Man nimmt 30 geschälte Knoblauchzehen guter Qualität und fünf unbehandelte Bio-Zitronen. Die Zitronen werden einschließlich der Schale kleingeschnitten, die Kerne entfernt. Alles zusammen wird im Mixer zerkleinert, mit einem Liter Wasser erhitzt und einmal kurz aufgewallt. Danach abseihen, in Flaschen füllen und kühl aufbewahren.
Davon nehme beziehungsweise empfehle ich traditionell ungefähr dreimal täglich 40 ml, vor oder nach einer Hauptmahlzeit.
Drei Wochen lang.
Danach etwa acht Tage Pause und anschließend noch einmal drei Wochen.
Was mir heute sogar besser gefällt als zum Zeitpunkt meines Buches: Wir haben inzwischen wesentlich mehr Daten zu Knoblauch…
In einer randomisierten Studie mit 112 Menschen mit erhöhten Blutfetten erhielt eine Gruppe täglich 20 Gramm Knoblauch plus einen Esslöffel Zitronensaft. Nach acht Wochen waren unter anderem Gesamtcholesterin, LDL, Fibrinogen und Blutdruck stärker gesunken als in den Vergleichsgruppen. Wichtig: Das war nicht exakt mein oben beschriebenes Rezept. Man darf aus dieser Studie also nicht behaupten, mein Knoblauch-Zitronen-Trunk sei damit „bewiesen“. Aber die Kombination ist durchaus interessant.
Noch spannender ist eine 2025 veröffentlichte Metaanalyse von 108 randomisierten Studien mit insgesamt mehr als 7.000 Teilnehmern. Knoblauch zeigte darin im Mittel günstige Effekte auf Blutdruck, Gesamtcholesterin, LDL, Triglyceride, Blutzucker, Insulinresistenz und verschiedene Entzündungs- und Oxidationsmarker. Die Effekte waren nicht gigantisch – aber sie gingen erstaunlich konsequent in dieselbe Richtung.
Und es gibt sogar kleinere randomisierte Studien mit „Aged Garlic Extract“, also gereiftem Knoblauchextrakt, in denen die Entwicklung koronarer Plaques mittels CT untersucht wurde.
In einer Untersuchung mit Patienten mit metabolischem Syndrom wurden 2.400 mg täglich verwendet; dabei nahm insbesondere der Anteil sogenannter Low-Attenuation-Plaques gegenüber Placebo günstiger ab. Auch andere kleine Studien fanden Hinweise auf eine verlangsamte Progression der Koronarverkalkung. Das ist noch kein Beweis dafür, dass Knoblauch Herzinfarkte verhindert. Aber für ein einfaches Naturmittel finde ich diese Daten bemerkenswert.
Wer Knoblauch nicht verträgt oder sich mit der Zubereitung nicht anfreunden kann, kann deshalb auch über einen standardisierten gereiften Knoblauchextrakt nachdenken. Die Studien verwendeten teilweise 1.200 bis 2.400 mg täglich. Das ist allerdings nicht eins zu eins mit frischem Knoblauch vergleichbar.
Omega-3
Omega-3-Fettsäuren gehören für mich ebenfalls zu den wichtigen Bausteinen, allerdings gezielt.
Mich interessieren dabei insbesondere die Triglyceride, die Ernährung und gegebenenfalls der Omega-3-Index. Eine beliebige Fischölkapsel aus dem Drogeriemarkt mit „1.000 mg Fischöl“ sagt zunächst wenig. Entscheidend ist, wie viel EPA und DHA tatsächlich enthalten sind.
Bei deutlich erhöhten Triglyceriden können höhere therapeutische Mengen sinnvoll sein. Verschreibungspflichtige Omega-3-Präparate in einer Größenordnung von 4 g täglich senken die Triglyceride deutlich; bei bestimmten Hochrisikopatienten existieren für reines EPA auch Daten zu weniger kardiovaskulären Ereignissen. Das darf allerdings nicht pauschal auf jede beliebige EPA/DHA-Kapsel übertragen werden.
In der naturheilkundlichen Praxis arbeite ich meist deutlich individueller. Entscheidend ist auch hier nicht: „Senkt Omega-3 mein Lp(a)?“
Die Frage lautet: Welches Problem möchte ich damit behandeln?
Ich nutze übrigens immer noch die Mittel der Firma Norsan.
OPC: für mich ein ergänzender Baustein
OPC beziehungsweise oligomere Proanthocyanidine verwende ich ebenfalls gern im Rahmen meiner Gefäßkonzepte.
In meinem bisherigen Schema waren häufig 300 mg pro Tag enthalten, verteilt auf dreimal 100 mg.
OPC besitzen antioxidative Eigenschaften und können oxidativen Stress beeinflussen. Allerdings will ich an dieser Stelle erwähnen, dass die klinische Datenlage dünner ist als beispielsweise bei Blutdruckbehandlung oder Bewegung.
Eine Metaanalyse randomisierter Untersuchungen mit Traubenkernextrakt fand unter anderem eine leichte Senkung des systolischen Blutdrucks, aber keinen überzeugenden Effekt auf Blutfette oder CRP. Ich sehe OPC deshalb als Ergänzung und nicht als „Plaque-Auflöser“.
Das gilt im Grunde für fast alle Vitalstoffe.
Homocystein: messen statt blind B-Vitamine schlucken
Einen weiteren Wert schaue ich mir bei entsprechendem Risikoprofil gern an: Homocystein.
Eine Korrektur zu einer älteren Formulierung aus meinem Buch ist mir dabei wichtig: Homocystein selbst ist biochemisch kein „freies Radikal“. Es handelt sich um eine schwefelhaltige Aminosäure beziehungsweise ein Zwischenprodukt des Methioninstoffwechsels.
Erhöhte Werte können unter anderem bei einem Mangel an Folat, Vitamin B12 oder B6 auftreten, aber auch Nierenfunktion, Schilddrüse, Medikamente und andere Faktoren spielen hinein.
Deshalb würde ich nicht blind hoch dosierte B-Vitamine geben, sondern erst einmal schauen, warum das Homocystein erhöht ist.
Denn auch hier zeigt die Forschung dasselbe Prinzip wie beim Lp(a): Einen Laborwert zu senken bedeutet nicht automatisch, dass im selben Ausmaß Herzinfarkte verhindert werden.
Eine Metaanalyse von acht großen randomisierten Studien mit insgesamt 37.485 Teilnehmern ist dafür ein schönes Beispiel: Die Folsäuregabe reduzierte Homocystein im Mittel um etwa 25 Prozent. Einen signifikanten Rückgang der großen vaskulären Ereignisse gab es dadurch jedoch nicht. Studie dazu: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20937919/Mein altes „homöopathisches Begleitschema“
Jetzt kommen wir zu einem Teil, den Sie in einer normalen Zeitungskolumne vermutlich eher nicht lesen würden. Sie kennen das Schema, weil ich es ja im Buch zur biologischen Herztherapie beschreibe…
In meiner Praxis habe ich die Knoblauch-Zitronen-Kur über viele Jahre immer wieder mit einem homöopathisch-spagyrischen Schema kombiniert.
Traditionell gebe ich in eine Tagesportion beziehungsweise in ein Glas der Knoblauch-Zitronen-Zubereitung:
5 Tropfen NIGERSAN D5 von SANUM,
5 Tropfen CITROKEHL,
5 Tropfen SANUVIS
und 8 Tropfen PHÖNIX Tartarus spag.
Diese Präparate gibt es weiterhin in jeder Apotheke. NIGERSAN D5 ist ein registriertes homöopathisches Arzneimittel aus Aspergillus niger; CITROKEHL basiert auf homöopathisch potenzierter Zitronensäure, SANUVIS auf rechtsdrehender Milchsäure. PHÖNIX Tartarus spag. ist ein spagyrisch-homöopathisches Komplexmittel.
Ich nenne dieses Schema seit vielen Jahren mein „Entkalkungsschema“. Ja… das ist klinisch nicht bewiesen – soviel zur „Einordnung“ für die Faktenchecker. Ich verwende dieses Schema aufgrund meiner therapeutischen Erfahrung ergänzend innerhalb eines Gesamtkonzeptes.
Was oft mehr bringt als jedes Mittel
Und jetzt kommt der vielleicht unbefriedigendste Teil dieses Newsletters.
Man kann selbstverständlich Knoblauch nehmen, Omega-3, OPC und weitere Mittel einsetzen.
Aber wer täglich raucht, einen Blutdruck von 170/100 mmHg hat, nachts aufgrund einer unerkannten Schlafapnoe minutenweise mit Sauerstoffmangel kämpft, kaum 2.000 Schritte am Tag schafft und anschließend zwei Flaschen Cola trinkt, wird seine Arterien nicht mit drei Kapseln und zwölf Tropfen retten.
Also: Bewegung gehört für mich zwingend dazu. Und zwar nicht nur Ausdauertraining. Muskulatur ist eines unserer wichtigsten Stoffwechselorgane. Krafttraining, zügiges Gehen, Radfahren, vernünftiges Ausdauertraining und das Erhalten der Beweglichkeit gehören deshalb für mich zur Herz-Kreislauf-Prävention.
Dann der Schlaf, dann Bauchfett (mit dem ich auch immer noch zu tun habe – trotz Projekt 2026!) und das Rauchen.
Und unterschätzt werden chronische Entzündungsherde. Dazu gehören beispielsweise Zahnfleischentzündungen. Bei entsprechendem Verdacht gehört auch eine Schlafapnoe abgeklärt. Ebenso müssen Diabetes, Nierenerkrankungen und Bluthochdruck vernünftig behandelt werden.
Das ist weniger spektakulär als eine neue Spritze, die einen Laborwert um 80 Prozent senkt. Aber genau darin liegt vielleicht das Problem. Wir lieben spektakuläre Einzelmaßnahmen.
Noch ein Wort zu Cholesterinsenkern
Aus dem aktuellen Pelacarsen-Ergebnis würde ich übrigens ausdrücklich nicht ableiten: „Dann ist Lipoprotein(a) bedeutungslos und sämtliche Cholesterinsenker sind Unsinn.“
Das wäre dieselbe eindimensionale Denkweise, nur mit umgekehrtem Vorzeichen.
Ein 45-jähriger Gesunder mit etwas erhöhtem LDL ist nicht derselbe Patient wie ein 68-Jähriger nach Herzinfarkt mit mehreren Koronarstenosen, Diabetes und Bluthochdruck.
Gerade in der Sekundärprävention gibt es für eine Senkung atherogener Lipoproteine belastbare Endpunktdaten. Über Nutzen, absolute Risikoreduktion, Nebenwirkungen und die teilweise sehr großzügige Verordnung von Lipidsenkern kann und sollte man trotzdem diskutieren.
Aber bitte anhand des konkreten Patienten, nicht anhand eines Glaubensbekenntnisses.Mein persönlicher Fahrplan
Wenn ich heute erfahren würde, mein Lipoprotein(a) sei deutlich erhöht, würde ich nicht versuchen, diesen Wert mit Gewalt herunterzubekommen.
Ich würde ihn als Hinweis nehmen, dass ich bei den übrigen Faktoren noch genauer hinschaue.
- Wie sehen meine Gefäße aus?
- Wie ist mein Blutdruck tatsächlich?
- Wie hoch sind ApoB und Triglyceride?
- Wie sieht mein Zucker- und Insulinstoffwechsel aus?
- Gibt es Entzündungszeichen?
- Rauche ich?
- Wie viel viszerales Fett trage ich mit mir herum?
- Wie schlafe ich?
- Wie bewege ich mich?
Und dann würde ich dort eingreifen, wo tatsächlich etwas zu verbessern ist. Genau das habe ich bei mir selbst getan.
Ich würde wieder trainieren. Zucker und hochverarbeitete Kohlenhydrate weitgehend aus meiner Ernährung streichen. Regelmäßig fasten. Meine Versorgung mit Omega-3 und anderen Vitalstoffen überprüfen. Und ja: Meine Knoblauch-Zitronen-Kur würde wahrscheinlich ebenfalls wieder in der Küche stehen.
Vielleicht ist genau das die wichtigste Lehre aus der Pelacarsen-Studie.
Man kann einen Risikomarker eindrucksvoll verändern und trotzdem am eigentlichen Ziel vorbeischießen.
Medizin beginnt deshalb für mich nicht mit der Frage:
„Wie bekomme ich diesen Laborwert herunter?“
Sondern:
„Was muss ich tun, damit dieser Mensch in zehn oder zwanzig Jahren möglichst keinen Herzinfarkt oder Schlaganfall bekommt?“
Das sind zwei vollkommen verschiedene Fragen. Und manchmal leider auch zwei vollkommen verschiedene Arten von Medizin.
Ich wünsche Ihnen Alles Gute!
Ihr
René Gräber
P.S.: Warum ich nicht mehr alles öffentlich schreibe
Seit 2020 hat sich der Spielraum für kritische Stimmen spürbar verändert. Sichtbarkeit im Netz? Heute eine Frage des Narrativs. Was nicht passt, wird gedrosselt – technisch, algorithmisch, ganz ohne Zensur-Stempel.
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