Beitrag aus Grenzwissenschaften-Aktuell.de

Albany/ USA – Das sensorische System des Menschen ist weitaus komplexer als bislang gedacht: Wissenschaftler vom “Albany Medical College”, an der “University of Liverpool” und der “Cambridge University” haben neben den Nerven ein bislang unbekanntes Sensorensystem in der menschlichen Haut entdeckt, das zum Tastsinn beiträgt.

Wie die Forscher um David Bowsher und Dr. Frank Rice im Fachmagazin “Pain” berichten, sei das Erstaunliche an dem sensorischen Netzwerk, dass sich dieses an Blutgefäßen und Schweißdrüsen befindet und für die meisten Menschen größtenteils nicht wahrnehmbar ist.

Entdeckt wurde der verborgene Empfindungssinn bei der Untersuchung zweier Patienten, die mit einer extrem seltenen Form von auffallend geringer Schmerzempfindlichkeit geboren wurden. Behandeln ließen sich die Patienten ursprünglich eigentlich wegen starker Schweißdrüsenaktivität – erst während der Untersuchungen stellten die Ärzte hinzu fest, dass sie kaum anfällig für Schmerzempfinden waren. “Ihre Empfindung von Hitze und mechanischem Kontakt war stark vermindert, dennoch hatten sie eine fast normale Empfindungsfähigkeit für ihre alltägliche Umgebung, konnten also bei Berührung etwa zwischen warm und kalt oder weichen und rauen Oberflächen unterschieden”, so Bowsher.

Das Rätsel verdichtete sich zusehends, als die Mediziner Hautproben der Patienten im Labor untersuchten und dabei feststellten, dass die Proben keine der gewöhnlichen Nervenenden, wie sie etwa für das Spüren von Temperaturen, mechanischen Kontakt, Vibrationen oder Haarbewegungen verantwortlich sind, aufzeigte. “Die Frage war also, wie konnten diese Personen dennoch Sinneseindrücke über die Haut wahrnehmen?”, erinnert sich Rice.

Die Antwort auf diese Frage fanden die Forscher in sensorischen Nervenenden auf den in die Haut eingebetteten kleinen Blutgefäßen und den Schweißdrüsen. “Viele Jahre lang haben wir zahlreiche unterschiedliche Arten von Nervenenden an den Blutgefäßen und Schweißdrüsen gefunden, glaubten jedoch, dass diese für Regulierung des Blut- und Schweißflusses verantwortlich waren. Auf die Idee, dass diese Nervenenden zur bewussten Wahrnehmung beitragen, waren wir bislang noch nicht gekommen”, so Rice.

Während die gewöhnlichen Nervenenden in der Haut der untersuchten Patienten fehlten, fanden sich an den Blutgefäßen und Schweißdrüsen weiterhin die bereits bekannten Nervenenden. “Offensichtlich haben diese Personen die Fähigkeit, Dinge mit diesen Nervenenden zu fühlen.”

Anhand der Untersuchungen konnten die Forscher nachweisen, dass es neben dem bekannten Tastsinn über die Nervenenden der Haut auch eine andere Form von sensorischem Feedback gibt, welches uns bewusste taktile Informationen vermitteln kann.

Probleme dieses neu entdeckten sensorischen Systems könnten, so vermuten die Forscher, zu rätselhaften Schmerzzuständen wie Migräne oder Fibromyalgie, deren Ursachen bislang immer noch unbekannt sind, führen.

QUELLE: Grenzwissenschaften-Aktuell







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